Text A — Standpunkt
Verbote wirken
In der Umweltdebatte gilt das Verbot als das hässliche Instrument, zu dem man erst greift, wenn alles andere gescheitert ist. Historisch ist das kaum haltbar. Die wirksamsten Maßnahmen der letzten Jahrzehnte waren Vorschriften: Grenzwerte, Standards, Fristen.
Der Einwand, Verbote nähmen den Menschen die Wahl, unterstellt, dass es vorher eine echte Wahl gegeben habe. Wer keine Alternative hat, wählt nicht, er nimmt, was da ist. Ein Standard verändert deshalb nicht das Verhalten Einzelner, sondern das, was überhaupt angeboten wird — und genau darin liegt seine Wirkung.
Zwar sind freiwillige Selbstverpflichtungen politisch bequemer, aber ihre Bilanz ist ernüchternd. Wo sie überprüft wurden, sind die Ziele regelmäßig verfehlt worden, und Konsequenzen hatte das selten.
Hinzu kommt ein Punkt, der in der Debatte fast immer fehlt: Eine Vorschrift verlagert die Entscheidung weg von Einzelnen, die sie ohnehin kaum treffen können. Wer zur Miete wohnt, entscheidet nicht über die Heizung, und wer ein gebrauchtes Auto kauft, entscheidet nicht darüber, was vor zehn Jahren gebaut wurde. In beiden Fällen nützt Aufklärung wenig, weil die Wahl längst woanders getroffen wurde.
Man sollte allerdings nicht so tun, als sei die Verteilungsfrage damit gelöst. Ein Verbot trifft Haushalte mit wenig Geld härter, wenn die Alternative teuer ist. Insofern ist die Kritik berechtigt — sie spricht aber für eine Förderung neben der Vorschrift, nicht gegen die Vorschrift.
- das Verbot
- the ban
- der Grenzwert
- the limit value
- unterstellen
- to assume, to impute
- die Selbstverpflichtung
- the voluntary commitment
- ernüchternd
- sobering
- verfehlen
- to miss (a target)
- die Förderung
- the subsidy, the support