Text A — Standpunkt
Bauen ist die einzige Antwort
In der Wohnungsdebatte wird viel über Instrumente gestritten und wenig über Arithmetik. Dabei ist der Ausgangspunkt schlicht: In den Städten, in denen die Mieten am stärksten steigen, fehlen Wohnungen. Alles Weitere ist eine Folge davon.
Regulierung verteilt den vorhandenen Bestand um. Das kann im Einzelfall richtig und sozial notwendig sein, und ich habe nichts gegen eine Mietpreisbremse, die Mieter vor plötzlichen Sprüngen schützt. Man sollte nur nicht so tun, als entstünde dadurch eine einzige zusätzliche Wohnung. Wer bereits eine hat, wird geschützt; wer sucht, sucht weiter.
Hinzu kommt ein Nebeneffekt, der selten genannt wird. Je strenger die Regeln für Vermieter sind, desto seltener werden Wohnungen überhaupt angeboten. Ein Teil des Bestands verschwindet dann in möblierter Kurzzeitvermietung oder bleibt leer, weil sich die Vermietung nicht mehr lohnt. Das ist keine Drohung der Immobilienwirtschaft, sondern in mehreren Städten beobachtet worden.
Zwar dauert Neubau lange, aber diese Zeit läuft ohnehin. Wer vor zehn Jahren gebaut hätte, hätte heute Wohnungen. Stattdessen wurde über Verfahren diskutiert, und die Verfahren sind das eigentliche Problem: Eine Baugenehmigung dauert in Deutschland im Schnitt deutlich länger als der Bau selbst.
Was ich vorschlage, ist deshalb unspektakulär. Flächen ausweisen, Verfahren digitalisieren, Bauvorschriften vereinheitlichen und im geförderten Wohnungsbau verlässlich finanzieren, statt jedes zweite Jahr das Programm zu ändern. Nichts davon ist ideologisch, und genau deshalb passiert es so selten.
- der Bestand
- the existing stock
- die Mietpreisbremse
- the rent cap
- der Nebeneffekt
- the side effect
- die Kurzzeitvermietung
- short-term letting
- die Baugenehmigung
- the building permit
- ausweisen
- to designate land
- vereinheitlichen
- to standardise