Warum sich ein Ehrenamt lohnt — und wann nicht
Wer neu in einer Stadt ist, bekommt fast immer denselben Rat: Such dir ein Ehrenamt. Das ist gut gemeint und meistens richtig, aber es wird selten dazugesagt, worauf man achten sollte.
Zunächst das Offensichtliche. Ein Ehrenamt bringt Kontakte, die im Alltag sonst schwer entstehen. Man trifft Leute regelmäßig, man hat ein gemeinsames Thema, und niemand muss den ersten Schritt machen, weil die Aufgabe ihn ohnehin erzwingt. Gerade wer die Sprache noch lernt, profitiert doppelt: Man spricht viel, und man spricht über etwas Konkretes.
Es gibt aber einen Fehler, den viele machen. Sie sagen zu allem Ja. Nach einem halben Jahr sitzen sie in drei Gruppen, organisieren zwei Feste und wundern sich, dass ihnen die Sache keine Freude mehr macht. Je unklarer der eigene Zeitrahmen ist, desto schneller wird aus einem Hobby eine Verpflichtung.
Deshalb lohnt es sich, vorher drei Fragen zu klären. Wie viele Stunden im Monat bin ich wirklich bereit zu geben? Ist die Aufgabe befristet oder läuft sie ewig weiter? Und: Gibt es jemanden, der einspringt, wenn ich im Urlaub bin? Wer diese Fragen stellt, wird nicht für unengagiert gehalten, sondern für zuverlässig.
Ein zweiter Punkt betrifft die Erwartungen. Ein Ehrenamt ist kein Sprachkurs und kein Bewerbungstraining, auch wenn beides nebenbei passiert. Wer nur hingeht, um sein Deutsch zu verbessern, wird schnell ungeduldig, weil es eben um die Sache geht und nicht um ihn.
Trotzdem würde ich es jedem empfehlen. Man muss nur klein anfangen: eine Aufgabe, ein fester Termin im Monat, ein halbes Jahr lang. Wenn es passt, wächst es von selbst. Wenn nicht, hat man nichts versprochen, was man nicht halten kann.
- das Ehrenamt
- voluntary work
- erzwingen
- to force, to compel
- die Verpflichtung
- the obligation
- befristet
- for a limited period
- einspringen
- to step in, to cover
- unengagiert
- uncommitted
- zuverlässig
- reliable