Der neue Schichtplan
Seit Anfang des Jahres arbeiten wir in der Pflege nach einem neuen Schichtplan. Die Idee kam von der Verwaltung: Weniger geteilte Dienste, dafür längere Schichten, sodass jede Woche ein zusätzlicher freier Tag entsteht. Auf dem Papier klang das vernünftig, und ehrlich gesagt haben sich die meisten von uns darauf gefreut.
Nach vier Monaten sieht die Sache gemischter aus. Der freie Tag ist wirklich da, und je regelmäßiger man ihn bekommt, desto leichter lässt sich das Privatleben planen. Eine Kollegin hat mir erzählt, dass sie zum ersten Mal seit Jahren wieder in einen Chor gehen kann. Das ist kein kleines Argument.
Andererseits sind zwölf Stunden lang. Gegen Ende einer solchen Schicht arbeitet man langsamer, und man macht mehr Fehler — das ist keine Meinung, das zeigen die internen Zahlen selbst. Obwohl die Verwaltung das nicht bestreitet, wurde bisher nichts geändert. Auf der letzten Betriebsversammlung wurde gefragt, ob die Schichten verkürzt werden können. Die Antwort war, dass man das erst nach einem vollen Jahr beurteilen wolle.
Mich stört daran weniger die Entscheidung als die Art, wie sie getroffen wurde. Der Plan wurde eingeführt, ohne die Stationen vorher richtig zu fragen. Man hat uns informiert, nicht beteiligt. Bei einem Thema, das den Alltag von zweihundert Leuten bestimmt, ist das zu wenig.
Was ich vorschlagen würde: eine feste Obergrenze von zwei langen Schichten hintereinander, und eine echte Befragung im Herbst. Trotzdem möchte ich fair bleiben. Der alte Plan war nicht besser, er war nur länger gewohnt. Wer behauptet, früher sei alles ruhiger gewesen, hat die geteilten Dienste vergessen.