Sechs Stunden nach Prag

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Sechs Stunden nach Prag

Die Fahrt nach Prag sollte fünf Stunden dauern. Am Ende waren es acht, und ich erzähle das nicht, weil es eine Katastrophe war, sondern weil sie erstaunlich angenehm verlief.

Angefangen hat es gut. Der Zug war pünktlich, ich hatte einen Fensterplatz, und nachdem der letzte Vorortbahnhof durch war, wurde es richtig ruhig. Kurz hinter Dresden blieben wir dann stehen. Eine Durchsage erklärte, dass wegen eines Unwetters ein Baum auf der Strecke liege und der Zug umgeleitet werden müsse.

Im Wagen passierte etwas, das ich so nicht erwartet hätte. Statt sich zu beschweren, fingen die Leute an, miteinander zu reden. Ein älterer Herr, der offenbar die Strecke kannte, erklärte der halben Reihe, über welche Orte wir jetzt fahren würden. Eine Frau mit zwei Kindern verteilte Kekse. Der Schaffner kam durch und sagte ehrlich, dass er selbst nicht wisse, wann wir ankommen — was mir lieber war als eine erfundene Zeit.

Gegen sieben wurde klar, dass ich meinen Anschlussbus in Prag nicht bekommen würde. Ich habe im Hostel angerufen und gefragt, ob die Rezeption länger besetzt sei. Sie war es nicht, aber man hat mir erklärt, wo der Schlüssel hinterlegt wird. Solche Sätze auf Deutsch am Telefon zu verstehen, hätte ich ein Jahr vorher nicht geschafft.

Angekommen bin ich kurz vor elf. Die Stadt war warm und voll, und ich habe an dem Abend nichts mehr gemacht, außer eine Suppe zu essen und früh ins Bett zu gehen.

Zurückgefahren bin ich zwei Wochen später mit demselben Zug, diesmal ohne Zwischenfall. Ehrlich gesagt war die Hinfahrt die bessere Geschichte.

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Why did the train stop after Dresden?