Zwei Stimmen zum Homeoffice

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Zwei Stimmen zum Homeoffice

Das Büro hat noch nicht verloren

Text A — Kommentar

Seit fünf Jahren wird uns erklärt, das Büro sei ein Auslaufmodell. Die Zahlen sagen etwas anderes. In den meisten deutschen Unternehmen arbeiten die Beschäftigten heute zwei bis drei Tage in der Woche vor Ort, und zwar nicht, weil die Geschäftsführung es erzwingt, sondern weil ein erheblicher Teil der Belegschaft es selbst so will.

Das wird in der Debatte gern übersehen. Wer für das Homeoffice argumentiert, spricht meist von Konzentration, Fahrzeit und Vereinbarkeit. Alle drei Punkte sind richtig. Die Gegenrechnung wird jedoch selten aufgemacht: Wissen, das niemand aufschreibt, wandert im Büro nebenbei weiter, in einem Gespräch am Drucker oder in einer Frage über den Tisch hinweg. In einer Videokonferenz entsteht so etwas nicht, weil jede Frage vorher einen Termin braucht.

Besonders deutlich wird das bei neuen Kolleginnen und Kollegen. Eine im Frühjahr veröffentlichte Untersuchung einer Hochschule kommt zu dem Ergebnis, dass Berufseinsteiger im überwiegenden Homeoffice länger brauchen, bis sie selbstständig arbeiten können. Die Autoren betonen allerdings, dass ihre Daten auf Selbstauskünften beruhen und nur eine Branche abdecken. Man sollte sie also nicht überdehnen.

Mir geht es auch gar nicht darum, das Homeoffice abzuschaffen. Ich arbeite selbst zwei Tage in der Woche zu Hause und würde darauf nur ungern verzichten. Zwar ist der Schreibtisch dort schlechter, aber dafür ist der Vormittag ruhig, und lange Texte entstehen bei mir ausschließlich in dieser Ruhe.

Was mich stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der das Büro inzwischen als reine Kostenstelle behandelt wird. Ein Unternehmen ist kein Verteiler von Aufgaben. Es ist ein Ort, an dem Menschen voneinander lernen, und dieses Lernen lässt sich nicht in eine Kalendereinladung packen.

Vorausgesetzt, dass beide Seiten ehrlich sind, ist die Lösung unspektakulär: feste gemeinsame Tage, an denen tatsächlich alle da sind, und ansonsten Freiheit. Wer stattdessen eine Anwesenheitspflicht verordnet und sie nicht begründet, bekommt volle Büros mit Menschen, die dort Videokonferenzen abhalten. Das hat dann niemandem geholfen.

Zurück ins Büro? Nicht mit mir

Text B — Forumsbeitrag

Ich lese diese Kommentare seit Jahren und frage mich jedes Mal, für wen sie eigentlich geschrieben werden. Offenbar für Leute, die zwölf Minuten zur Arbeit brauchen. Bei mir sind es zweimal siebzig Minuten, und die bekomme ich nicht zurück.

Dass im Büro nebenbei Wissen weitergegeben wird, bestreite ich gar nicht. Nur wird daraus ein Argument gemacht, das alles rechtfertigen soll. Wenn ein Unternehmen es nicht schafft, Wissen aufzuschreiben, ist das ein organisatorisches Problem und kein Grund, tausend Menschen täglich in einen Zug zu setzen. Die Einarbeitung neuer Kollegen lässt sich planen, sofern jemand die Verantwortung dafür übernimmt.

Was in solchen Texten außerdem fehlt: Nicht alle Beschäftigten sind gleich. Für Eltern kleiner Kinder, für Menschen mit chronischen Erkrankungen und für alle, die auf dem Land wohnen, ist das Homeoffice keine Bequemlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, den Beruf überhaupt weiter auszuüben. Diese Gruppen tauchen in der Debatte erstaunlich selten auf.

Meine Erfahrung nach drei Jahren: Meine Arbeit ist messbar besser geworden. Ich schreibe am Vormittag ohne Unterbrechung, ich schlafe mehr, und ich bin am Nachmittag ansprechbar, wenn tatsächlich jemand etwas von mir will. Im Büro wurde ich im Schnitt alle zwanzig Minuten unterbrochen, und niemand nannte das damals ein Problem.

Zwar treffe ich mein Team gern, aber dafür reicht ein Tag im Monat, an dem wir wirklich zusammen etwas erarbeiten. Was ich nicht mehr akzeptiere, ist die Anwesenheit als Beweis für Fleiß. Genau das steckt hinter vielen dieser Forderungen, auch wenn es niemand so sagt.

Es sei denn, jemand zeigt mir Zahlen, die belegen, dass meine Ergebnisse im Büro besser wären. Bisher hat das niemand getan. Solange das so bleibt, halte ich die Rückkehrdebatte für eine Frage der Kontrolle und nicht der Produktivität.

What is the main argument of Text A?Two texts, one question

Read Text A and pick the claim it is built on.