WritingB2 · Argument · 120–180 wordsArguing a position in writing

Hilft künstliche Intelligenz beim Lernen?

The task

Hilft künstliche Intelligenz beim Lernen? Vergleichen Sie die beiden Positionen aus der Leseeinheit und nehmen Sie anschließend selbst Stellung.

Target: 120–180 words.

Die Technik ist nicht das Problem

Text A — Interview

Frau Hoffmann leitet eine Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Seit zwei Jahren dürfen ihre Schülerinnen und Schüler KI-Programme im Unterricht benutzen.

Frage: Viele Kollegen sagen, KI mache das Lernen überflüssig. Was antworten Sie?

Hoffmann: Dass die Frage falsch gestellt ist. Ein Taschenrechner hat das Rechnen auch nicht abgeschafft, er hat verschoben, was wir üben. Entscheidend ist, wofür das Werkzeug eingesetzt wird. Wer sich einen fertigen Aufsatz schreiben lässt, lernt nichts. Wer sich denselben Aufsatz kritisieren lässt und danach selbst überarbeitet, lernt sehr viel.

Frage: Lässt sich das kontrollieren?

Hoffmann: Nicht vollständig, und ich halte nichts davon, so zu tun, als ginge das. Wir haben stattdessen die Aufgaben geändert. Schriftliche Arbeiten entstehen bei uns überwiegend im Unterricht, und zu jedem längeren Text gehört ein kurzes Gespräch, in dem die Jugendlichen erklären, warum sie etwas so geschrieben haben. Wer seinen eigenen Text nicht erklären kann, fällt sofort auf.

Frage: Gibt es Bereiche, in denen Sie KI ausschließen?

Hoffmann: Ja, im Anfangsunterricht der Fremdsprachen und überall dort, wo es um das Formulieren selbst geht. Sofern jemand einen Satz noch nie allein gebaut hat, hilft ihm ein perfekter Satz aus dem Programm nicht. Das ist keine moralische Frage, sondern eine praktische.

Frage: Und die Sorge, dass die Schwächeren zurückbleiben?

Hoffmann: Die teile ich, allerdings anders, als sie meist gemeint ist. Unsere Beobachtung ist, dass die starken Schüler das Werkzeug sofort sinnvoll nutzen und die schwächeren es als Abkürzung verwenden. Das verstärkt bestehende Unterschiede. Deshalb üben wir den Umgang mit dem Programm ausdrücklich, so wie wir früher das Nachschlagen im Wörterbuch geübt haben. Das kostet Unterrichtszeit, und die muss irgendwo herkommen.

Was dabei verloren geht

Text B — Meinungsbeitrag

Man kann die Haltung, die aus solchen Interviews spricht, vernünftig nennen. Mich überzeugt sie trotzdem nicht, und zwar aus einem Grund, der in der Debatte fast immer fehlt.

Schreiben ist kein Transport fertiger Gedanken. Die Gedanken entstehen beim Schreiben, in den Sätzen, die man verwirft, und in dem unangenehmen Moment, in dem man merkt, dass das eigene Argument nicht trägt. Wer diesen Moment an ein Programm abgibt, gibt nicht Arbeit ab, sondern das Denken selbst.

Dagegen wird eingewandt, es komme allein auf die Aufgabenstellung an. Das halte ich für zu optimistisch. Natürlich lässt sich eine gute Aufgabe formulieren, und natürlich fällt auf, wer seinen eigenen Text nicht erklären kann. Nur setzt das voraus, dass genügend Zeit für Gespräche da ist. An den meisten Schulen ist sie das nicht, und eine Reform, die Zeit braucht, die niemand hat, ist keine Reform.

Hinzu kommt ein zweiter Punkt. Die Programme sind nicht neutral. Sie liefern die glatte, mittlere Formulierung, und genau die klingt nach dem, was Lehrkräfte erwarten. Jugendliche lernen also nicht nur schneller zu schreiben, sie lernen auch, wie ein durchschnittlicher Text auszusehen hat. Eigenwillige Sätze verschwinden zuerst.

Zwar teile ich die Beobachtung, dass ein Verbot nicht funktioniert, aber daraus folgt nicht, dass man das Werkzeug in jede Stunde holen muss. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Sache, die sich nicht kontrollieren lässt, und einer Sache, die überall erlaubt sein soll. Dieser Unterschied wird in der Debatte regelmäßig eingeebnet.

Mein Vorschlag wäre bescheidener: Schreiben ohne Hilfsmittel bleibt der Normalfall, und die Arbeit mit dem Programm bekommt eigene, klar markierte Stunden, in denen genau das geübt wird. Damit bliebe beides erhalten, das Denken und das Werkzeug.

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