Vier Tage reichen
Text A — KommentarÜber die Vier-Tage-Woche wird seit Jahren geredet, als handle es sich um eine Utopie. Dabei ist sie in mehreren Branchen längst Praxis, und die Erfahrungen sind besser, als die Debatte vermuten lässt.
Der stärkste Einwand lautet, die Arbeit verschwinde ja nicht. Das stimmt. Nur zeigt sich in den Betrieben, die umgestellt haben, dass ein erheblicher Teil dessen, was einen Arbeitstag füllt, gar keine Arbeit ist: Sitzungen ohne Ergebnis, Abstimmungen, die eine E-Mail hätten sein können, Wartezeiten. Wird der Rahmen enger, fällt zuerst das weg.
Man hätte das früher ausprobieren können. Stattdessen wurde jahrzehntelang über Flexibilität gesprochen und damit meist gemeint, dass Beschäftigte flexibel zu sein hätten, nicht die Organisation.
Ich will nichts beschönigen. In der Pflege, im Handel und überall dort, wo Anwesenheit selbst die Leistung ist, lässt sich die Rechnung nicht so einfach aufmachen. Dort wäre eine Verkürzung teuer, und wer das Gegenteil behauptet, macht es sich zu leicht.
Insofern ist die ehrliche Antwort unbequem: Die Vier-Tage-Woche funktioniert dort gut, wo ohnehin viel Zeit verloren geht, und schlecht dort, wo Zeit gleich Leistung ist. Genau deshalb sollte man sie nicht als Gesetz einführen, sondern dort ermöglichen, wo die Betriebe es wollen.